Schlussetappe mit leichtem Anstieg von 330m und Rückfahrt nach Heppenheim
Um 5.30 Uhr stehe ich im Frühstücksraum der Kirschsteiger Alm bei Zita Unterholzner, die extra für mich aufgestanden und das Frühstück vorbereitet hat. Zita ist die neue Pächterin und arbeitet gerade am Aussenauftritt der Alm. Die vorigen Pächter haben wenig getan Gäste anzulocken, vom Telefonanschluss angefangen bis zur eigenen Homepage. Die Alm hat schöne Gasträume, moderne Doppelzimmer mit eigener Dusche und ein breites Essenangebot. Ich kann nur meine Empfehlung aussprechen. Schaut einfach mal vorbei.
Um 6.00 Uhr bin ich bereits unterwegs und genieße die Ruhe kurz vor dem Sonnenaufgang. Kurz nach 7 Uhr stehe ich auf meinem letzten Gipfel meiner Alpenüberquerung. Das Kreuzjoch liegt 2.086m hoch und ich geniesse den Ausblick auf die Ötztaler und Sarntaler Alpen.
Der weitere Weg führt immer mäßig bergab und es bleibt Zeit die Umgebung und den Ausblick zu geniessen, wie die gesamte Etappe ein sprichwörtliches „herunterkommen“ wird.
Vor der Jausenstation Möltner Käser auf 1.763m empfängt mich erst einmal ein „Bulle“, der mich partout nicht vorbeilassen will. Ich umrunde das Tier in gebührlichem Abstand, da er mit Sicherheit schneller und der Masse entsprechend stärker ist als ich. Ca. 2 Stunden später hatte ich ein noch spannenderes Erlebnis mit den Rindern auf den Almwiesen.
Hinter der Möltner Kaser wähle ich dann auch noch den falschen Weg. Um wieder auf den Normalweg zu gelangen klettere ich über ein Gatter und beobachte dann immer wieder Kühe, die in eine Richtung rennen, ja sogar ein galoppartiges Verhalten an den Tag legen. Die Tiere können richtig Gas geben und waren ausnahmslos in diesem Tempo unterwegs. Allein unter Hunderten sich seltsam benehmenden Rindviechern, ermahnt einen dann doch zur Vorsicht.
Bevor es zum Abstieg über Wiesen und Waldgebiet nach Langfenn geht, durchquere ich die Kuhherde mit gebührlichem Respekt. 2 Wochen später ist dann zu lesen, das eine Wanderin von Kühen zu Tode getrampelt wurde! Es gilt die Tiere nicht unnötig zu reizen.
Langfenn bietet sich zum rasten an und einen Kaffee zu geniessen, bevor es dann idyllisch an Weidenzäunen und Pferdegattern vorbeigeht. Rechts und links des Weges sieht man nichts als kilometerlange Weiden auf denen gerade Stroh gemacht wird. Ab und an kommen Reiter auf Haflingern vorbei. Immer wieder kann der Blick schweifen auf die Berge der Umgebung, sei es die Sellagruppe, Langkofel und Plattkofel etc.
Kilometer um Kilometer nähert man sich Jenesien und nach dem Gasthof Edelweiß ist das Ziel fast erreicht. Es geht noch steil ein Waldstück hinunter und der Weg endet quasi an der Bushaltestelle. Ich erreiche Jenesien allerdings kurz nach 12 Uhr Mittag und wie es in Italien üblich ist, ist auch für den Busverkehr erst einmal Mittagsruhe angesagt.
Bis 13.30 Uhr bei 30 Grad an der Bushaltestelle zu warten macht keinen Sinn, also begebe ich mich Richtung Innenstadt, mit dem Ziel Seilbahnstation.
Auch die Toristikzentrale an der ich vorbeilaufe macht Mittagspause. Eine mir entgegenkommende Passantin kann mir auch nicht weiterhelfen. Meine Fragestellung bekommt eine weiter Frau mit, die gerade aus einer Haustüre tritt. Auch Sie äußert Bedenken, das die Seilbahn während der Mittagszeit in Betrieb ist. Allerdings werde ich spontan eingeladen mit dem Auto hinunter nach Bozen mitgenommen zu werden. Es stellt sich heraus, das die Frau aus der Nähe von Heilbronn stammt und Kinderärztin in Jenesien ist.
Auf der Fahrt entwickelt sich eine angenehme Unterhaltung und ich erfahre nebenbei eine Reihe von sozialpolitischen Aspekten um die Integration und Anerkennung von ausländischen Arbeitnehmern in Südtirol. Die touristische Glückseligkeit deutscher Urlauber aufgrund der deutschen Sprache, der Bergwelt und des hervorragenden Essens habe wenig mit Akzeptanz und Integration in eine in sich geschlossene Gesellschaft zu tun. Auch die Tatsache mit einem Italiener verheiratet zu sein helfe nur bedingt und benötige vor allem Zeit. Der Beruf selbst helfe bei der Akzeptanz allerdings sehr und die Umgebung und die Freizeitmöglichkeiten in Südtirol bieten eine hohe Lebensqualität.
Eine sehr interessante Unterhaltung, die sich am Ende meiner Tour aus einer zufälligen Begegnung ergeben hat. Diese zufälligen Begebenheiten und Begegnungen machen einen großen Reiz einer E5 Wanderung aus. Man muss nur offen dafür bleiben.
Nachdem ich durch die Altstadt und die Lauben in Bozen zum zentral gelegnen Bahnhof gelaufen bin, kommt mir als eine der ersten Personen Bernd (waren die ersten Tage zusammen unterwegs) entgegen. Wieder so ein Zufall, nachdem sich unsere Wege in Wenns nach dem Endspiel zur Fußballweltmeisterschaft getrennt haben. Wir fahren zusammen mit der Bahn nach München und danach trennen sich unsere Wege endgültig. Bernd fährt nach Hamburg weiter und ich nehme die Verbindung über Stuttgart bis nach Heppenheim.
Meine E5 Tour endet dann wie sie angefangen hat. Die Bahn hat mal wieder Verspätung und ich verpasse einen Anschlusszug und erreiche Heppenheim erst um 23.59 Freitag Nacht.
Ich bin angekommen.
Peter vom extreme five (E5)










