Fußballweltmeister und eine der schönsten und anstrengensten Etappen auf meiner E5 Alpenüberquerung!
1.350 Höhenmeter Aufstieg und 1.620 Höhenmeter Abstieg
Heute trennen sich wieder viele Wege der E5 Wanderer.
Ein Teil der neu gekrönten, aber übernächtigten Fußballweltmeister legt eine Erholungsetappe ein und geht „nur“ bis zur Braunschweiger Hütte.
Bernd als „Ich geh nur zu Fuß Philosoph“ wählt die anstrengende und hochalpine Variante über das Kaunergrat. Bernd treffe ich erst am Ende meiner Reise überraschend wieder. Auf dem Bahnhof in Bozen kurz vor der Heimreise.
Ich selbst hatte mir unabhängig vom Ausgang des Endspiels vorgenommen, den Aufstieg zur Braunschweiger Hütte nachzuholen und die eigentliche Tagesetappe bis nach Zwieselstein dranzuhängen.
Um 6.30 Uhr genehmigte ich mir ein kurzes Frühstück und versuchte anschliessend meine Rechnung zu begleichen. Da die Rezeption erst ab 8.00 Uhr besetzt ist, notierte ich meine Speisen und Getränke vom Vortag einfach auf einen Zettel und bat die Rechnung nach Hause zu senden. Hat alles perfekt funktioniert und die Rechnung war wesentlich schneller zu Hause wie ich selbst.
Um 7.05 Uhr ging dann der Bus nach Mittelberg (ca. 50 Minuten Fahrt), der Startpunkt für den Aufstieg zur Braunschweiger Hütte.
Zum Beginn geht es gemütlich einen Fahrweg entlang, der sich an einem Bach entlang schlängelt und an der Gletscherstube (letzte Übernachtungsmöglichkeit vor dem Gletscher) vorbeiführt.
Danach führt der Weg zwischen Felsbrocken hindurch, steigt stetig an und überquert hin und wieder den Bachlauf. Immer dem Wasserfallweg folgend (macht seinem Namen alle Ehre) kommt es dann zum ersten steilen Aufstieg, der zum Teil mit Seilen versichert ist. Nach ca. 1,5 Stunden errreicht man wieder den Fahrweg und muß diesen ein Teilstück entlanglaufen.
Nach einer Kurve zweigt dann der Weg Richtung Braunschweiger Hütte ab. Nach kurzer Zeit erschliesst sich auf einmal ein grandioser Blick auf den gegenüberliegenden Gletscher.
Am Gletscher selbst läßt sich der Klimawandel deutlich erkennen. Zum einen ist die Zunge des Gletschers mit Folie abgedeckt um ein Abschmelzen im Sommer zu verhindern.
Zum anderen stehen kurz nach Mittelberg Schilder am Wegesrand, wo der Gletscher 1920 ursprünglich geendet hat. Nämlich am Beginn meines Aufstiegs vor gut 2 Stunden.
Nach weiteren 30 Minuten kräftezehrenden Aufstiegs erreiche ich gegen 11.30 Uhr die Braunschweiger Hütte bei Sonnenschein und tollem Rundumblick auf die hochalpine Landschaft.
Die Hütte selbst ist groß, geräumig und 2010 komplett modernisiert und bietet einen herrlichen Rundblick. Bei einer Pause auf der großen Terrasse und einer kleinen Mahlzeit kann man sich an der Landschaft sattsehen.
Danach geht es für mich weiter zum Rettenbachjoch, das nach gut einer Stunde erklettert werden will, was weiterhin an den Kräften zehrt.
Der Weg dorthin führt am Anfang spektakulär über Schneefelder, in die man immer wieder mal bis zur Hüfte einbricht, dann über Geröll und endet schiesslich mit einem steilen Aufstiegsteil.
Das Wetter macht inzwischen auch was es will und Sonne und Regen wechseln sich ab. Oben angekommen erblickt man den Sessellift Schwarze Schneidbahn, der zum Skigebiet Sölden gehört. Es fängt an zu graubeln und zu schneien, um dann kurzfristig in einen Starkregen zu wechseln. Zum Glück kann ich trocken unter dem Lift kurz rasten und nutze die Möglichkeit mich in Regenbekleidung zu begeben.
Danach geht die Suche nach dem Abstieg los. Der Weg ist aufgrund von Schee nicht zu entdecken, das Ziel, die Talstation ist jetzt bei Sonnenschein wieder gut auszumachen.
Steil geht es über klitschige Felsen nach unten, immer das Ziel fest im Blick um irgentwie die schneebedeckte Skiabfahrt zu erreichen. Hat man die Felsen überstanden beginnt
der Kampf ohne Schneeschuhe, oft tief in den Schnee einsinkend, Richtung Piste zu stapfen. Hat man diese erreicht, kann man sich auf seinem Rucksack nach unten gleiten lassen (für Mutige) oder auf den Wanderstiefeln Wasserski ähnlich nach unten rutschen. Um nichts zu riskieren wählte ich die Variante Wasserski.
Gegen 14.30 erreichte ich dann die Talstation bei super Sonnenschein und mit super aufgepumpten Oberschenkeln. Eine Pause mit Weizenbier war unumgänglich und führte dann zur notwendigen Regenerationsphase für die anstehende Weitwanderung nach Zwieselstein, das immer noch rund 5 Stunden entfernt lag.
Der weitere Weg zieht sich dann recht unspektakulär längere Zeit einen Fahrweg entlang,
kreuzt bei leichtem Auf und Ab immer mal wieder Seilbahnen und gibt den Weg auf die durch Pisten und Schneisen verschandelte Bergwelt frei. Am Alpengasthof Sonneck angekommen fängt es wieder an zu schütten und die Lust am Laufen nimmt minütlich ab. Füße, Beine, Knie und Muskeln wollen auch nicht mehr, aber es steht noch eine knappe Stunde steilen Abstieg durch dichten Wald nach Zwieselstein bevor. Ist auch dieses Stück geschafft, darf man einen Kilometer auf einer Bundesstrasse wandern und erreicht über einen Feldweg und weiteren 2 Kilometern dann Zwieselstein. Endlich.
Gebucht hatte ich die Unterkunft Neue Post und als ich um 19.30 Uhr an der Terrasse vorbeilaufe winken mir gleich drei E5 Wanderer zu. Anke, Harald und Karl-Friedrich, mit denen ich dann diesen und weitere Abende verbrachte.
Peter vom extreme five (E5)


















