E5 Süd Tag 6 von Giazza nach Erbezzo

Auf den Hund gekommen. Dies könnte das Motto dieses Tages gewesen sein, dazu später mehr. Auf jeden Fall ein typischer Tag auf dem E5. Es geht immer noch einen Tick länger oder anstrengender. Sehr positiv ist, das man es vorher nicht weiß.

Es wird ein langer Wandertag, der Wanderführer empfiehlt entsprechend Wasservorräte und Proviant mitzunehmen. Wir füllen die Wasserschläuche und die Reserveflasche komplett auf, ebenso belegte Brötchen, was das Frühstück eben so hergibt. Es war bereits warm am Morgen als wir durch Giazza liefen und ein malerisches Örtchen vorfanden, das sich durch enge Gassen und Treppen windet. Hätten wir am Vorabend noch erkunden sollen, aber da wollten die Füße nicht mehr.


Dann kamen wir auf den Hund oder besser gesagt der Hund zu uns. Kurz vor dem Verlassen des Dorfes begrüßt uns freudig ein schwer klassifizierbarer Hund, von nun an „Randagio“ genannt, und schließt sich uns an. 


Wir begannen mit dem ersten Aufstieg einen Fahrweg entlang, der sich rund 600 HM durch dichten Wald nach oben schlängelte. Unser Begleiter eilte voraus, verschwand immer wieder im Wald und fand wieder zu uns zurück. Wir dachten das er aufgrund seines Halsbandes jemandem im Dorf gehört und irgendwann wieder den Rückweg antritt. Weit gefehlt, er wich uns den ganzen langen und anstrengenden Weg über 28 Km lang nicht von unserer Seite. Auf jeden Fall wurde es lustig und kurzweilig mit dem Vierbeiner zwischen unseren Wanderstöcken. In der Mitte des schweißtreibenden Aufstiegs wälzte Randagio sich ausgiebig in Exkrementen anderen Waldbewohnern und beglückte uns je nach Windrichtigung mit sehr unangenehmen Gerüchen. Dies hielt sich über Stunden, kein Wunder, denn es tropfte Randagio sinnbildlich aus  den Ohren.


Auf einer Hochebene angekommen pausierten wir auf einer Wiese  und hatten alle Hände voll zu tun Randagio geruchsbedingt auf Abstand zu halten. Der Weg wurde offener, führte zu einer Teerstraße und an Bauerhöfen vorbei. Wir kreuzten eine Landstraße und fanden die Wegweiser nicht. Wir orientierten uns an der Beschreibung des Wanderführers und der Himmelsrichtung und folgtem einem Pfad nach unten. Zumindest stellte sich dies nicht als den Normalweg heraus, führte er uns später durch Stacheldraht gesicherte Kuhweiden. Wir kletterten mal drüber oder krochen unten hindurch und beobachten wie Randagio jede Kuh aufscheuchte und anbellte. Dies führte jedes Mal zu Hektik unter den Kühen und gelegentlichen Gegenangriffen und wir befanden uns mitten im Spektakel. Zureden half auf jeden Fall nichts und wir waren froh ohne Konfrontation mit den aufgeschreckten Kühen davon gekommen zu sein.


Nach einer Stunde durch Wiesen- und Waldgebiet sahen wir wieder ein E5 Zeichen und waren wieder auf dem richtigen Weg. Inzwischen war es Mittag und wir rasteten neben einem abgelegen Feld und teilten unseren Proviant mit dem Hund.

Über Stunden zog sich der Weg durch eine hügelige, aber abwechslungsvolle Landschaft. Ab und an kamen wir an einem Bauernhof vorbei, sahen aber keine Menschen. Alles schien wie ausgestorben und verlassen. Abwechslung brachte die Jagd auf Kühe durch einen den  Streuner (Italienisch Randagio), der immer noch sichtlich Spaß verspürte, sich aber immer öfter eine Pause im Schatten könnte. Inzwischen war es später Nachmittag und das anstrengendste Teilstück stand uns noch bevor. Die Wasservorräte waren am Ende, es wurde stickig heiß in einem beinahe suptobisch anmutenden Waldgebiet. Wie auf einem Dschungelpfad schlängelte sich der Weg durch dichtes Wald- und Blattwerk und wir mußten aufpassen den Wegweiser zum Aufstieg nach Erbezzo nicht zu verpassen. Der Aufstieg war ein extrem steiler schmaler Serpentinenweg der laut Wanderführer in 35 Minuten zu bewältigen sei. Wir benötigen über eine Stunde mit etlichen kleinen Ruhepausen um den Puls wieder  nach unten zu bekommen. Am Ende unserer Kräfte erreichten wir den pittoresken Dorfplatz in Erbezzo und setzten uns auf eine Bank direkt am kleinen Supermarkt. Die Anstrengung verlangte gierig nach einer eiskalten Cola und einem Snickers. Unser Begleiter macht inzwischen das halbe Dorf unsicher, stürmt in den Supermarkt, ins Lager, ins Immobilienbüro gegenüber und auch in die Küche des Albergo Berna, indem wir eigentlich übernachten wollten. Das Albergo war angeblich voll mit Filmleuten besetzt und der Besitzer organisierte uns ein Zimmer in einem B&B. Die Besitzerin des Supermarktes wiederum nahm sich dann unseres Strolches an, nachdem wir glaubhaft versichern konnten, dass das Tier nicht zu uns gehörte. Ein Dorfpolizist holte dann den Hund bei unserer endgültigen Unterkunft, dem B &B La Stua ab und wir hoffen das er wieder zu seinen Besitzern zurückgebracht wurde. 


Den Abend ließen wir dann bei einer riesigen Pizza im Restaurante des Albergo Berna und einer Flasche Valpolicella ausklingen. Von den Filmleuten weit und breit keine Spur! 

Morgen werden wir Verona erreichen!

Gehzeit 8:55 / 27,38 Km / Aufstieg 1.474 HM / Abstieg 1.038 HM

Peter Daunke vom extreme E5

Veröffentlicht von Peter Daunke

Ich bin beruflich stark engagiert und teile gern Meinungen und Erfahrungen im Management und Vertrieb. In der freien Zeit sind Wandertouren mit Frau und Freunden ein perfekter Ausgleich und auch der Golfsport gehört zu meinen Leidenschaften.

Hinterlasse einen Kommentar

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..

Reiseblog Travel on Toast

Reisen Wandern News