Besser geht es nicht. Zum Frühstück begrüßt uns strahlender Sonnenschein vor azurblauem Himmel. Erwartungsvoll machen wir uns auf den Weg. Laut Wanderführer werden wir heute nochmals richtig gefordert, quasi die letzte Bergetappe auf dem Weg nach Verona. Und so sollte es dann auch kommen. Den Aufstieg zur schmalen Scharte Boschetta dei Fondi auf 2084m gilt es zu meistern.

Vom Refugio Campogrosso auf 1.456m starten wir, laufen bei Bilderbuchwetter ein kleines Stück die Straße entlang und folgen dann links dem E5 Zeichen in den Wald hinein. Dort steigen wir auf und erreichen nach ca. 1 Stunde die ersten Geröllfelder unterhalb der Cima Carega Gruppe. Inzwischen sind auch kleine Gruppen von Tagesausflüglern mit uns unterwegs. Von nun an steigen wir in Serpentinen steil auf und queren dabei immer wieder Geröllfelder.
Ca. 20 Minuten unterhalb der Scharte steigen wir in ein Geröllfeld ein, erkennen zu spät, das dies nicht der richtige Weg ist. Ich trete bei jeder Bewegung Steine los und kann nicht umkehren ohne andere Wanderer zu gefährden. Meine Frau kommt, 30m unterhalb, mehr rutschend wie kletternd aus dem Geröllfeld wieder heraus und warnt nachrückende Wanderer. Vorsichtig, um nicht weitere Steine loszutreten ziehe ich mich mit Händen von Fels zu Fels und suche mir eine Kletterpassage Richtung Hauptweg. Hier ein falscher Griff und ein Sturz hätte fatale Folgen gehabt. Es ist noch mal alles gut gegangen und niemand wurde durch losgetretene Steine verletzt. Nachfolgende Wanderer berichteten ebenfalls von fehlenden Markierungen des E5 an diesem Streckenabschnitt. Dann sind wir oben, beruhigen Puls und Nerven und sehen wie steil der Anstieg verlaufen ist. Auf der anderen Seite erwartet uns ein gänzlich anderes Wetter. Nebelschwaden ziehen uns bei starkem Wind entgegen und es wird schnell kalt. Wir müssen eine Jacke überziehen und machen uns an den Abstieg in Richtung Refugio Scarlobi. Den Aufstieg auf den Gipfel der Cima Carega ersparen wir uns. Dieser ist nur für schwindelfreie und trittsichere Wanderer zu empfehlen.
Der Abstieg erfolgt in weitläufigen Serpentinen, nicht sonderlich steil aber immer wieder Geröllfelder querend. Irgendwie laufen alle Wege zum Refugio Scarlobi und gegen 12.30 Uhr kehren wir ein und bestellen eine für diese Region typische Polenta mit Kaninchen.
Wir haben noch genügend Zeit und nehmen die 2,5 Stunden nach Giazza in Angriff. Nachteil, es geht über 1.000 HM nur nach unten. Zuerst auf breitem Fahrweg, dann durch Waldgebiete und später über Serpentinen bis in den kleinen Ort Boschetto 1.151m. Dort treffen wir auf eine wenig befahrene Teerstrasse, auf der wir eine langweilige Stunde lang bis in den beschaulichen Ort Giazza 745m unterwegs sind. Die Temperaturen lagen Nachmittags bei über 30 Grad und die Füße brennen durch das Gehen auf Asphalt. Wir bekommen ein freies Zimmer im Albergo Belvedere, was problemlos funktioniert, denn wir sind die einzigen Gäste heute. Das Hotel hat sicherlich schon bessere Zeiten gesehen, das Zimmer ist jedoch sauber und eine Dusche gibt es auch. Die Dusche ist zudem äußerst erfrischend, da warmes Wasser für diesen Tag nicht vorgesehen war. Wir nehmen einen Aperitivo und entspannen auf der Terrasse. Das Abendessen war dann allerdings mit das Beste unserer ganzen Tour, zubereitet von einem indischen Koch, der sich riesig freute, nur für uns an diesem Abend gekocht zu haben.


Gehzeit 6:39 Stunden / 20,78 km / Aufstieg 625 HM / Abstieg 1.120 HM
Peter Daunke vom extreme E5
